Heckantrieb und - Motor

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    • Heckantrieb und - Motor

      Die deutschen Auto Zeitschriften schimpfen immer über den Heck Antrieb und -Motor des Twingo 3.

      Wetten dass dieses Konzept (siehe Bild 3) beim neuen VW id3 gelobt wird:
      auto-motor-und-sport.de/elektr…lf-akku-reichweite-preis/

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    • Hallo,

      naja... die Ausgangslage ist eine leicht andere.

      "Gemeckert" wird ja wegen...

      Hecklastigkeit: Dass der Twingo vorne eher leicht ist, merkt man bei Wind auf der AB sehr deutlich. Ein E-Auto hat dieses Problem nicht. Der Motor ist sehr leicht (leichter als ein Tank voller Benzin) und der Akku ist sehr schwer (mehrere 100 kg). Da er zwischen den Achsen eingebaut ist, hat das Auto eine perfekte Gewichtsverteilung.

      Weniger Kofferraum: Da der E-Motor viel kleiner ist, wird das kaum mehr Platz brauchen als der hintere Achsantrieb eines Allradautos. Das passt also ohne nennenswerten Kofferraumverlust.

      Wärmemanagement: Ein Benzin-Verbrenner hat bestenfalls 33% Wirkungsgrad. 1/3 der Energie geht also in den Vortrieb, ein weiteres Drittel in den Kühler und ein Drittel in den Motorraum und die Abgasanlage. Wenn der Motor also 30 KW leisten muss, dann landen mehr oder weniger 30 KW irgendwo da hinten. Wenn man bedenkt, dass der übliche Backofen mit etwa 3-3,6 KW heizt, dann sieht man, dass das eine Menge ist. Auch dieses Problem hat das E-Auto nicht. Wärme wird beim Laden und Entladen in der Batterie frei. Der Motor dürfte einen WIrkungsgrad um 99% haben, das ist also verschwindend wenig.

      Von daher dürfte da keiner meckern. Ich hätte da einen anderen Punkt: E-Autos bremsen viel über Rekuperation. Das geht an der Vorderachse viel besser als an der beim Bremsen entlasteten Hinterachse. Wer schonmal versucht hat, ein Auto sicher mit der Handbremse zum Stehen zu bekommen (ohne einen Dreher zu erzeugen), weiss, dass man da nicht so irre viel Bremsleistung hat. Also muss mehr "richtig" gebremst werden, was die Bremsen schneller verschleisst und weniger Energie rückgewinnt.

      All die Vorteile des Heckantriebs wird der ID3 genauso wie der Twingo haben:

      Sehr hoher Einschlagwinkel der Vorderräder -> kleiner Wendekreis.

      Keine Antriebseinflüsse in der Lenkung. Wer bei einem frontgetriebenen Turbodiesel bei langsamer Fahrt mal schlagartig Vollgas gegeben hat, weiss, was ich meine.

      Bessere Traktion beim Anfahren.

      Kurvenfahrt berghoch... die Hinterräder schieben, die Vorderräder lenken. Beim Fronttriebler sind die Vorderräder da schneller überfordert. Unser Polo hatte die gleiche Reifenmarke wie der Twingo und nur ein paar PS mehr. Auf unserer Einkaufsstrecke (steile Serpentinstrasse) ging das Quietschen der Vorderräder viel früher los als beim Twingo, mit dem man ungeachtet der hohen Karosserie dort schneller fahren kann (übrigens ohne sich unsicher zu fühlen).

      Man liest übrigens in immer mehr E-Auto-Tests Beschwerden über den Frontantrieb. Gewaltiges Drehmoment und Frontantrieb führt halt schnell dazu, dass man es nicht nutzen kann, weil die Räder durchdrehen.

      Insgesamt erwarte ich tatsächlich Lob für dieses Antriebskonzept beim ID3, aber aus technischen, nicht aus politischen Gründen. Die entsprechende Kritik am Twingo ist nicht nachvollziehbar - die entsprechenden Autoren haben nicht verstanden, wofür das Auto gedacht ist und wofür es eher nicht gedacht ist.

      Viele Grüße,

      Jan